Mein Interview mit Yves Moreau

 Im Juni 2020 war es soweit, in meinem Postfach war eine Interviewanfrage von Yves Moreau einem deutsch/französischen Journalisten, der  u.a. für Magazine wie das Vice Magazin aber auch für Postif in Frankreich  oder SKIN TWO aus England schreibt. Wir trafen uns am Stuttgarter Flughafen und hatten eine tolle Zeit zusammen. Hier ein kleiner Auszug aus dem Interview was ich dankenswerter weise veröffentlichen darf. (Übersetzt aus dem Französischen)

Wie alt bist du und wo wurdest du geboren?

Geboren und aufgewachsen bin ich in einer kleinen Stadt in Südfrankreich in Carry-le-Rouet in der nähe von Marseille. Als Tochter eines sehr kreativen und künstlerischen Familie. Es hat uns dann aber per Zufall nach Deutschland  (Stuttgart) verschlagen wo ich Abitur machte und heute Studiere. Ich bin 22 Jahre alt.

Was machst du sonst, wenn du keine Pornofilme drehst?

Ich lebe tatsächlich in zwei Welten. Zum einen bin ich die gewöhnliche Studentin, die morgens aufsteht und zur Uni geht. Klar definierte Hobbys habe ich eigentlich nicht, was ich sehr gerne mache ist Sport. Ich bin zwei bis dreimal in der Woche im Fitnessstudio und jogge eigentlich jeden Tag, Man unterschätzt den Bedarf an Fitness in der Pornobranche und zudem ist eine gute Figur für mich eins Frage der Ehre an den eigenen Körper. 

Ich habe aber auch einen großen Freundeskreis, mit dem ich viel unternehme von kleinen Städtetrips über Kinobesuche bis hin zu Besuchen in Museen oder einem gemütlichen Spieleabend, alles ist dabei.

Wie bist du Pornodarstellerin geworden?

Gedanklich bin ich seit dem 16. Lebensjahr Pornodarstellerin (lacht laut) nur logischerweise habe ich das damals nie in die Tat umsetzen können. Ich war auch ein schüchternes Mädchen und habe den normalen Durchschnitt einer 16 oder 17-jährigen repräsentiert, aber selbst mit 18 oder 19 Jahren war ich innerlich noch nicht soweit den Schritt vor die Kamera zu machen. Ich habe, so wie viele andere auch, mir immer wieder Pornofilme auf dem Laptop oder auf dem Handy angeschaut und die Begeisterung wurde nicht weniger, im Gegenteil. Eine Freundin auf dem Uni Campus hat mich tatsächlich einmal angesprochen und mich gefragt ob ich ihr nicht beim Filmen eines Clips ihr helfen könnte. Ich denke das war der ausschlaggebende Punkt für mich, als ich gemerkt habe welchen Spaß sie hat aber auch welche Verdienstmöglichkeiten dahinter stecken. Ich glaube es war ca. zwei bis drei Wochen später als ich mich tatsächlich selbst dazu entschlossen habe den Schritt vor die Kamera zu wagen. 

Was fasziniert dich an der Pornobranche?

Es ist definitiv der lockere und selbstverständliche Umgang mit der Sexualität. Natürlich spiegelt ein Pornofilm nicht die Realität wider, es wird ja eine Traumwelt für den Betrachter aufgebaut. Aber vielleicht ist es genau das was mich interessiert und fasziniert. Zum einen ist die Pornobranche sicherlich schräg, skurril und in vielen Bereichen abgedreht. Wenn man denkt man kann nichts verrücktes mehr machen dann packt einer nochmal eins drauf und neue Ideen entstehen und werde verwirklicht. Zum anderen mag ich die Menschen die da drin agieren, sie sind meistens offen, lustig und voller Lebensfreude was meine Lebensqualität sehr bereichert. Aber auch die Vielfalt mag ich. Von PortArt über TrashPorno ist alles dabei. Es gibt über 40 verschiedene Filmgenre.

Was magst du nicht an der Pornobranche?

Da muss ich wirklich ein bisschen überlegen (Emelie schaut lange aus dem Fenster). Es gibt glaube ich nichts was mir nicht gefällt oder mich völlig abstößt, allerdings machen mich Sachen manchmal ein bisschen nachdenklich. Manche Nutzer der Filme aber auch User auf meinen verschiedenen Portalen schreiben mir Nachrichten, wo ich manchmal wirklich denke "Geht's noch?" Da werde ich mit Worten angeschrieben wie  "Na du kleine Fotze, oder Hey du Schlampe" wo ich jede gute Kinderstube vermisse. Die vielen Schwanzbilder haben mich am Anfang zum Lachen gebracht, heute frage ich mich, ob die Menschen wirklich glauben, dass ich ihre Schwänze sehen will, 99%  lohnen sich nicht anzuschauen (Lacht laut los). 

Wie kommst du mit den zwei Welten zurecht, in denen du lebst?

Tatsächlich wache ich morgens auf und bin mir nicht sicher ob ich gerade Emelie Crystal oder die Studentin von nebenan bin. Mittlerweile liebe ich diese zwei Welten, weil sie so verschieden sind. Zugegeben, am Anfang haben sie mich gestresst bis ich mich eingefunden und eingelebt habe. Heute genieße ich den Rückzugsort und tatsächlich hat Emelie Crystal sehr viel Persönliches von mir und vielleicht ist sie sogar ein Mensch, der ich gerne wäre aber mich nie dazu entwickelt habe.

Wie geht dein tägliches Umfeld mit dir um, wenn sie wissen, dass du Pornos drehst?

Ich war tatsächlich überrascht, wie viel positive Resonanz ich erhalten habe, selbst von Menschen wo ich ein bisschen Angst hatte ihnen das zu erzählen. Ich hätte das nie gedacht. Die beste Reaktion war, als mich meine Freundin anlachte und nur meint, dass das typisch für mich ist und wunderbar zu mir passt. Von meinem täglichen Umfeld habe ich tatsächlich keine negativen Erfahrungen erlebt. Natürlich gibt es immer mal wieder die klassischen Hater, aber ich denke die haben mehr ein Problem mit sich selbst und ihrer Sexualität als mit mir. Und bekanntlich ist auch negative Aufmerksamkeit gut fürs Geschäft, erst recht in meiner Branche. 

Dir macht es also nichts aus, wenn du durch die Uni läufst und die Leute dir negative Blicke zuwerfen?

Tatsächlich hatte ich das bis jetzt nicht daher ist das schwer zu sagen, aber ich denke auch diese Menschen wird es geben und da ist es egal ob das jetzt in der Uni oder auf offener Straße ist. 

Die Menschen demonstrieren für Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit und mehr Toleranz der unterschiedlichen Lebensformen und fallen dann wieder in ihr altes Muster zurück, wenn ihre persönliche Haltung auf den Prüfstand kommt. Ich sehe das grundsätzlich nicht als persönlichen Angriff, denn diese Menschen kennen mich ja überhaupt nicht. Ich bin nur der Blitzableiter in diesem Moment. Bei manchen Nachrichten, die ich erhalten habe, hatte ich tatsächlich Mitleid mit den Hatern.

In vielen Ländern ist Pornografie eine anerkannte Kunstform wie siehst du das?

Für mich ist Pornografie absolut Kunst. Aber leider nicht jeder Pornofilm hat was mit Kunst zu tun.  Ich weiß, dass viele Menschen Pornografie keineswegs als Kunst ansehen, das ist auch voll und ganz legitim denn auch ich laufe durch Museen und Ausstellungen und frage mich manchmal, warum dieses Bild oder diese Skulptur unter dem Begriff "Kunst" fällt. Kunst ist immer eine Geschmackssache

Ist jeder Film/Clip von dir ein "Kunst" Pornofilm?

Nein, leider nicht. Die Filme sind aufwendig und bedürfen eine lange Planung. Die Auswahl an Location, Personen, Ablauf usw. müssen gut überlegt sein. Ich stelle diese Filme auch nicht auf den klassischen Kanälen zur Schau. Es gibt eine wirkliche Subkultur des PornArt. Es gibt eigene Seiten in den Porn- & EroticArt verbreitet werden. Ein eigener Mikrokosmos an Sharing Angeboten, Galerien und kleine Museen weltweit sind meine Auftraggeber oder ermöglichen mir diese Filme zu zeigen. Auch gibt es wirkliche Liebhaber des PornArt und EroticArt die die Filme kaufen. Ich betreibe eine klassische Quersubvention die Mainstream Filme finanzieren meine PornArt Kunst.

Produktionen wie VIXEN, TUSHY oder BLACEKD fallen für mich aber dann doch wieder unter den begriff Kunst.

Kannst du es verstehen, wenn andere Menschen Pornographie strikt ablehnen und verwerflich finden?

Ich kann es nicht verstehen, aber ich akzeptiere es im vollen Umfang. Ich bin der Meinung, dass diese Menschen sich eventuell nicht klar und deutlich mit der Pornografie auseinandergesetzt haben. Pornografie ist auch nicht immer Pornografie. Meistens kommen wir in den Bereich des Trash oder B-Film Genre wenn Leute Pornografie ablehnen. Diese Filme lehne ich selber auch ab. 

Pornografie gibt es seit dem Mittelalter und davor. Die ersten Magazine gab es in der späten Renaissance und die ersten Filme entstanden im 19 Jahrhundert. Schon immer hat Pornografie die Gesellschaft gespaltet und wer sie nicht mag soll sie einfach nicht anschauen. Ganz einfach!

Kennen die klassischen Nutzer der Pornofilme die Subkultur des PornArt?

Nein, eigentlich nicht. Ich glaube viele denken zu wissen was es ist oder tun so als wüssten sie es, aber PornArt ist eine eigene Welt, eine Sub- Subkultur. 

PornArt ist Pornografie jedoch häufig in schwarz/weiß. Handlungen laufen häufig verlangsamt ab nicht selten ist klassische Musik genau auf die Filme/Scene abgestimmt. Es wird viel Wert auf ästhetische Menschen gelegt, Auf die Location und das Ambiente. Aber auch wird viel mit Licht und schatten gearbeitet. Es gibt keine Konversation und die Filme werden häufig im Format 16 mm aufgenommen. Die Filme werden immer mal wieder von Zeitlupen oder Bildblitzen unterbrochen. Ich arbeite hier am liebsten mit dem deutsch/norweger Magnus Berglund zusammen, eine Ikone des PornArt und guter Freund. Er ist ein Meister seines Fachs und bringt immer wieder neue Ideen in meine Projekte und Arbeiten.

Was magst du nicht in einem Pornofilm?

Wenn wir in den Bereich kommen, wo Models oder Darsteller bluten und ihre Exkremente zum Vorschein bringen ist für mich die Grenze des guten Geschmacks bei weitem überschritten. Ich schaue solche Filme nicht an und würde auch solche Filme niemals drehen. Genauso wie Filme, in denen ich ein minderjähriges Mädchen spiele, oder ich in eine Rolle gehen soll, in der ich von vorhinein weiß, dass ich mich nicht gut dabei fühlen werde. Auch billig Produktionen und Trash Filme sind nicht mein Ding. Ich will nicht das mein Name in Verbindung mit solchen Filmen gebracht wird

Was verdient man als Pornostar?

Erst einmal müssen wir den Begriff Pornostar definieren und ab wann man denn überhaupt ein Pornostar ist. Ebenfalls werde ich nicht öffentlich über meine Gagen sprechen, nicht weil ich damit ein Problem habe, sondern weil es schlichtweg kaum möglich ist. Die Gage richtet sich an so viele verschiedenen Kriterien, dass sie pauschal nicht zu beziffern ist. Je höher der Bekanntheitsgrad ist, je höher die User Frequenz auf deinen Portalen ist, je häufiger dein Name bei Google & Co. zu finden ist, je größer die Produktion und ihr Verbreitungsgebiet ist, umso höher wird die Gage. 

Emelie Crystal ist ein Produkt und dieses Produkt hat einen Preis und dieser Preis richtet sich grundsätzlich nach Angebot und Nachfrage, ein ganz normaler Kreislauf wie in jeder anderen Wirtschaftsbranche auch.

Kann man von den Einnahmen als Pornostar Leben?

Ja, definitiv kann man davon Leben (Emelie verdreht die Augen und lacht). Ich will aber dennoch mein Studium zu Ende machen, denn nichts ist vergänglicher als die Haltbarkeit einer Pornodarstellerin.

Das heißt du wirst immer das Doppelleben weiterführen?

Solange ich studiere sicherlich ja. Danach bin ich mir noch nicht sicher ob ich mehrere Jahre einen Ausflug in die Branche mache um dann, wenn der Markt mich nicht mehr sehen will wieder in meinen alten Beruf zurück gehe. Mit 22 habe ich aber tatsächlich noch ein paar Jahre und das Ende der Haltbarkeit ist noch in weiter Ferne.

Gehören nicht Pornodarsteller ab 30 zum alten Eisen?

Tatsächlich war das lange Zeit so, aber die Branche durchläuft einen stetigen Wandel und so gibt es seit vielen Jahren tatsächlich namhafte Pornostars und selbst Amateurdarsteller, die mit Anfang 40 noch sehr erfolgreich in ihrem Business sind.

Ab wann sollte man deiner Meinung nach in die Pornobranche einsteigen und kannst du das überhaupt empfehlen?

Ich kann definitiv empfehlen in die Branche einzusteigen, wenn man selbst die Lust danach spürt. Allerdings kann ich gerade Amateurmodel und Darstellerinnen, die neu in der Branche sind, nur empfehlen sich unbedingt eine Agentur zur Seite zu nehmen. Die Branche ist nicht gefährlich, hat aber viele Tücken und ist leider gespickt mit vielen unseriösen Menschen die meinen, unerfahrene Mädchen mit verlockenden Angeboten über den Tisch zu ziehen. Ebenfalls gibt es viele juristische Fallen, wie Datenschutz, Vertragsgestaltung, Nutzungs- und Bildrechte und vieles weitere, das einem gerade unerfahrenen Model gefährlich werden kann, wenn es sich nicht ausführlich damit beschäftigt. Ich an dieser Stelle bin mehr als froh und glücklich, dass mich meine Agentur sehr gut berät und mich vor so einigem schon gewarnt hat.

Wann genau das perfekte Alter ist, um in die Branche einzusteigen, kann ich nicht sagen. Jeder Mensch hat eine eigene individuelle persönliche Reife und ist frühstens mit 18 juristisch dazu in der Lage in das Geschäft einzusteigen. Wer Interesse daran hat und sich bereit fühlt sollte das auch auf jeden Fall machen. Ich denke aber wer Zweifel in sich trägt und Angst vor einer öffentlichen Diskriminierung hat, sollte sich das sehr gut und gründlich überlegen.

Ist die Doppelmoral in unserer Gesellschaft noch so stark verflochten?

Ja, und das erschreckt mich. Ich dachte, dass unsere Gesellschaft mit den vielen sexuellen Revolutionen, die wir hatten, mit dem Internet, mit dem Thema Meinungsfreiheit, künstlerische Entfaltung aber auch die Toleranz zu Schwulen, Lesben oder Andersdenkenden weiter voran geschritten sei. Leider ist das aber nur in Teilen so. 

Was mich tatsächlich am meisten erschreckt ist, dass meine Altersklasse, abgesehen von meinen vorhin erwähnten Unterstützern im Freundeskreis und in der Uni, tatsächlich noch sehr eingeschränkt denkt. Ich bin der Ansicht, dass es viele Menschen gibt, die abends unter der Bettdecke sich heimlich Filme anschauen, und am nächsten Tag denjenigen schlecht reden die diese Filme drehen Dabei hat doch gerade der User Spaß und Freude dabei, aber die Gesellschaftliche Moral zwingt uns dazu und ich kann es dem User noch nicht einmal übel nehmen, ich empfinde einfach nur Mitleid. 

Bei welcher Agentur bist du unter Vertrag?

Ich bin bei derzeit bei der wohl besten Agentur Julmodels gelistet. Ich entscheide selbst welchen Film ich drehe und welche nicht, welches Fotoshooting mit gefällt und welcher Fotograf von mir eine Absage bekommt. Ich habe zusätzlich einen Manager der mich berät.

Deine Filme sind sowohl in Deutschland aber auch international vertreten du wirst von kleinen, aber auch großen Produktionen gebucht und deine Bilder schmücken das Internet. Bist du überhaupt noch eine Amateur oder schon Profi?

Das ist eine gute Frage denn wir müssen erst einmal klären was ist überhaupt eine Amateurdarstellerin. Ich habe in einem amerikanischen Kunstmagazin einen interessanten Bericht gelesen über die Pornobranche und die Definition von Amateur und Profi. Nach deren Definition bin ich ein Profi, denn sobald du regelmäßig Filme veröffentlichst und diese auf verschiedenen Plattformen gezeigt werden, wenn man regelmäßig Geld erhält und einen gewissen Userkreis hat ist man nach einer klassischen Definition kein Amateur mehr. Ja ich bin Profi Darstellerin.

Aber mir ist diese Definition auch wirklich nicht wichtig, denn sie sagt in keinr Weise  etwas über die Arbeit aus. Viele nennen sich selbst nach 10 Jahren Berufserfahrung noch Amateur, weil sie die Hoffnung haben dadurch ein gewisses User Klientel auf ihre Seite zu bekommen und manche haben noch nicht einen Film gedreht und bezeichnen sie schon als Profi, weil sie sich dadurch höhere Gagen versprechen. Die Definition also über Profi und Amateur ist eigentlich unnötig.

Deutsche Produktion haben nie wirklich den Sprung in das internationale Geschäft geschafft was meinst Du wo dran das liegt?

(Emelie denkt nach und schaut dabei auf ihr Handy) Tatsächlich liegt die deutsche Pornobranche ziemlich am Boden und namenhafte Produktion haben ihre Tore geschlossen. Ich denke sie waren zu sehr in ihr eigenes Produkt verliebt, was ich immer noch heute bei vielen Produktionen erlebe und sie haben sich nicht auf die Veränderung des Marktes eingelassen. Klassische Vermarktungsformen, wie der DVD Verkauf oder BluRay Verkauf über eine Homepage ist bis heute zum Scheitern verurteilt. Selbst das klassische Download Business hat keine wirkliche Zukunft. In keiner Branche hat die Digitalisierung solch einen Umfang und Ausmaß wie bei uns. "Zeig mir deine Homepage und ich sage dir alles über dein Unternehmen". Dieser Satz aus dem Wirtschaftsconsulting stimmt auch in unserer Branche leider. Es ist erschreckend wie wenig Achtung und liebe Produktionen in die eigenen Homepage investieren.

Also ist Deutschland ein schlechtes Pflaster für den Start einer Porno Karriere?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Zum einen ja, den die Global Player befinden sich in den USA und überschwemmen den Markt mit vielen nieschen Produkten, die auch immer stärker mit einer größeren Dominanz in den deutschen Markt eintreten. Es gibt sicherlich interessante Produktionen in Deutschland die ihren Markt gefunden haben, aber es auch nicht wirklich schaffen aus dem Nischendasein hervor zu treten. Meist argumentieren natürlich diese Produktionen dass sie überhaupt nicht groß werden wollen, das halte ich aber für eine Lüge. 

Was unterscheidet europäische/deutsche und US-amerikanische Produktion.

Zum einen ist es das Budget, während häufig in deutschen Produktionen oder auch in europäischen Produktionen wenige hundert bis einige tausend Euro investiert werden liegen US-amerikanische Produktion weit darüber und nicht selten werden Produktionsbudget von 50.000 bis 200.000 Dollar erreicht. Der teuerste Film lag bei über 600.000 Euro. Ein Film mit Eva Lovia in der Hauptrolle. Zum anderen schaffen sie es sowohl männliche als auch weibliche Darsteller zu engagieren die auch ein Publikum fesseln. Optisch und Künstlerisch. 

Manchmal sehe ich Darstellerinnen aber auch Darsteller in deutschen Filmen wo ich mich frage wer diese bitte gecastet hat. Ich weiß, dass es schwer ist gut aussehende und professionelle Models zu finden, aber manchmal erscheint mir die Darsteller Auswahl wie eine Verzweiflungstat. 

Bei Männer und bei Frauen?

Ja tatsächlich. Ich möchte beim besten Willen keiner zu nahe treten aber auf manchen Bildern und Filmen finden sich einfach Menschen wieder, die von ihrem Leben durch Alkohol, Drogen und ihrem allgemeinen Lebensstil gekennzeichnet sind. 

Für mich ist Pornografie nur dann ein Gewinn wenn auch eine gewisse Ästhetik mitspielt. Wenn Männer mit dicken Bäuchen die ihren eigenen Schwanz nicht mehr sehen, behaart von Kopf bis Fuß und mit fettigen Haaren vor die Kamera treten frage ich mich manchmal, was ging in dem Produzenten vor der diesen Film freigegeben hat. 

Also versagt die deutsche Pornoindustrie auf ganzer Linie?

Nein, bei weitem nicht. Es gibt in Berlin, Stuttgart, München, Karlsruhe und in anderen Städten tolle Produktion die Pornografie langsam aber sicher neu entwickeln, die sich Gedanken machen beim Bühnenbild, beim Drehbuch aber auch bei den Darstellern, die sich tatsächlich Gedanken machen Pornografie aus dem klassischen Image hervorzuheben und diese Produktion sind gar nicht so selten. Und ich werde mein Möglichstes tun diesen Produktionen zu helfen groß zu werden.

Wie siehst du die Pornobranche weltweit in zehn Jahren?

Ich denke, dass wir inmitten einer Marktbereinigung sind und ich bin mir sicher, dass sie in den nächsten zehn Jahren 40-60 Prozent der Produktionen vom Markt verschwunden sind, ohne dass es nennenswerte neue Firmen geben wird. Ich denke, dass die Digitalisierung, Virtual-Reality und viele andere neue Medientechnologien sich etablieren werden. Wir sehen jetzt schon auf großen Pornoplattformen, dass immer mehr Filme gestreamt werden, die einen ganz neuen Verbreitungs- und Medieneinsatz haben, daher denke ich, dass die fortschreitende Digitalisierung aber auch das Nutzungsverhalten die Branche in den kommenden zehn Jahren noch einmal grundlegend verändert. Wer jetzt nicht mit der Zeit geht oder womöglich die Veränderung nicht erkennt wird in zehn Jahren nicht mehr existieren.

Was bedeutet das für die Darstellerin?

Ich denke wir Darsteller sind genauso gefragt unser Handeln neu zu überdenken. Darstellerin zu sein heißt anpassungsfähig zu sein sich auf neue Medien neue Techniken aber auch auf neue Ideen und Konzepte einzulassen. Ich denke, dass der Mark größer wird für Darstellerinnen, aber ich denke auch dass es schwieriger werden wird in das Mittelfeld zu kommen oder gar an die Spitze.

Wie stehst du zu privaten Sextreffen mit Usern?

Ich lehne diese grundsätzlich und strikt ab. Ich bin Darstellerin und habe kein Interesse an privaten Sex Treffen, wo der „Anfragende“ nur seiner eigenen Lust nachgeht und sein Sexleben aufbessern möchte. Viele User kennen den Unterschied zwischen einer Darstellerin und einer Frau nicht, die sich auf Tinder oder anderen Dating Plattformen anbietet. Ich mache den Job als Darstellerin deswegen, weil Pornografie für mich weit mehr ist als einfacher Sex. Für mich ist Pornografie ein Gesamtprojekt, das aus vielen Einzelteilen besteht und so ein Kunstwerk entsteht. Mein privates Vergnügen meine privaten sexuellen Fantasien erlebe ich und bekomme ich in meinem privaten Umfeld.

Das heißt du bist vergeben?

Das habe ich nicht gesagt. Ich lebe in einer relativ offenen Beziehung und habe einen sehr kleinen Kreis an Menschen, die ich sehr nahe an mich heran lasse. 

Auch Frauen oder nur Männer?

Ich kann beiden Geschlechtern gleichermaßen etwas abgewinnen. Kann mir aber nicht vorstellen mit nur einem Geschlecht auf Dauer glücklich zu sein. Daher kann es gut sein, dass ich eine Zeit lang nur mit einem Mann sexuellen Kontakt habe und dann aber wieder die Nähe zu einer Frau suchen und dann vielleicht tatsächlich immer mal wieder mit beiden gleichzeitig meine Erfahrung mache.

Immer wieder hört man von ausschweifenden Orgien von Darsteller nach dem Dreh ist das so?

Ich persönlich habe das noch nie gehört und noch nie gesehen und ich war auch noch nie dabei. Wer 7-10 Stunden am Tag dreht und verschiedene Takes hat, hat definitiv keine Lust mehr auf Sex an diesem Tag.

Was sind deine Zukunftspläne in der Pornoindustrie?

Meine aktuelle Herausforderung ist den Spagat zwischen Studium und Pornobusiness zu schaffen, das ist erst einmal meine größte Challenge. Zeitgleich bin ich aber dran mein Bekanntheitsgrad zu erweitern und interessante und vor allen Dingen auch zukunftsträchtige Angebote zu erhalten. Tatsächlich habe ich auch schon Anfragen von großen und bekannten US-Produktion. 

Aber ist das nicht ein Ritterschlag für eine Pornodarstellerin, wenn sie von den Top 10 der amerikanischen US-Produktion angefragt wird?

Doch definitiv und ich freue mich darüber, dass ich diese Anfragen erhalten habe, zumal es weit mehr als nur Anfragen sind. 

Hat Emelie Crystal schon die ersten „Star-Allüren“? 

Man selbst kann das immer schwer einschätzen, aber ich denke nicht, da mich mein Managr immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Aber die Gefahr ist ganz klar da. Bei einer stabilen Tagesreichweite von über 20.000 Media Views kommt schon ein gewisser Stolz auf, immerhin bedeutet das, dass ich im Jahr eine Brutto-Reichweite von fast 8 Millionen Views habe.

Ich habe einen hohen Anspruch an mich selbst und diesen verlange ich auch von anderen. Unkoordinierte, verplante oder unstrukturierter Produktionen mag ich tatsächlich nicht. Und eine Produktion die stundenlang dreht und Shootet aber nicht an Getränke und Essen denkt oder auch sonst chaotisch wirken bringen mich zur Verzweiflung. Aber ich denke das sind keine Star-Allüren, sondern das sind Ansprüche, die beim besten Willen nicht überzogen sind. 

Ach ja ich habe ein bestimmte Wassermarke die ich haben will und ich will vegetarisches essen am Sed (Emelie lacht laut) Ich habe doch Allüren.... 

Hast du schon mal ein Shooting abgebrochen weil dir etwas nicht gefallen hat?

Ja das ist schon passiert, in meinen Augen war der ganze Dreh einfach stümperhaft und unprofessionell. Ich müsste echt mal mein Manager Fragen was danach los war (Lacht). Das gab sicher ärger (lacht und schaut zu ihrem Manager)

Wirst du auf der Straße schon erkannt?

Tatsächlich ist mir das erst letztens wieder im Zug passiert und vor zwei Wochen in der Stuttgarter Innenstadt. Ich habe nicht einmal Autogrammkarten, weil ich der Meinung bin, dass ich noch weit davon entfernt bin welche zu benötigen. Tatsächlich bin ich auch schon angesprochen worden und die ein oder andere Nuschler an der Kasse beim Shoppen oder beim Einkaufen haben mir gezeigt, dass ich erkannt wurde.  

Freu dich das oder stört dich das?
Das freut mich zum einen, weil diese Menschen sich outen, dass sie selber diese Filme anschauen und zum anderen ist es schön, wenn einem Bewunderung und Akzeptanz entgegenkommt und sich dies auch in meinem Alltag widerspiegelt. Das öffentliche Outen ist noch einmal was anderes wie eine Nachricht im Netz zu verfassen.


Das Gesamte Interview kommt hier im Juli 2020